Vermittlungsprojekte

Im Bereich Kunstdidaktik werden die Grundlagen künstlerischen und sozialen Lernens und Lehrens in reflexiver und praktischer Anwendung zusammengeführt. Ein zentrales Format hierfür sind seminarbezogene Vermittlungsprojekte, die eine gezielte Außenwirkung entfalten. Sie verknüpfen Theorie und Praxis, Hochschule und Standort, Kunst und Gesellschaft. Konzeptuelle Eckdaten sind:

  • die nachhaltige Begegnung von Kunststudent*innen mit heterogenen, von Diversität und Benachteiligung tangierten Personengruppen, mit denen sie im Kontext ihrer exklusiven Studienbedingungen nicht in Berührung gekommen wären,
  • die Einnahme und Reflexion einer künstlerischen Perspektive in gemeinsamer, methodische Innovation herausfordernder künstlerischer Praxis mit diesen Personengruppen und
  • ein bildender und nachhaltiger Beitrag zum kulturellen Leben der Stadt bzw. Region durch Kooperation mit Partnern und Institutionen vor Ort in Form von vermittlungsbetonten Ausstellungsformaten.

Einen Fuß hineinsetzen

Ein kleiner Junge träumt von einer Erdbeere, die ihn verfolgt. - "Und dann?" - "Habe ich sie aufgegessen!" Der Traum fand seine Form in Ton und setzte sich neben alles, was anderen Kindern, später Studierenden und erwachsenen Gästen wichtig war, vom eigenen Bett bis hin zur globalen Lage, von Ton-Akkorden auf Klaviertasten über auf der Heizung zu grillende Fische bis hin zu Bäumen, die an der Wand wachsen: Formen wurden über zwölf Wochen hinweg von verschiedenen Händen wiederholt, Inhalte mit anderen Augen gesehen, Antworten gegeben, neue Fragen aufgeworfen.

Gespielt wurde eine "Stille Post" der Artefakte zwischen Menschen aus unterschiedlichen Lebensaltern und sozialen Kontexten, die nach und nach in ihren keramischen Arbeiten aufeinander reagiert und auf die sich durch die hinzukommenden Arbeiten verändernde Raumsituation Bezug genommen haben. Kontinuierlich mitgeformt haben Studierende der Kunstakademie, Studierende der Pädagogischen Hochschule sowie Schüler*innen einer Grund- und einer Realschule; zu Gast waren unter anderem der Aktzeichenkurs der Akademie, das Kunstprojekt der Tageseinrichtung TafF sowie zahlreiche Gymnasialklassen. Die keramische Landschaft in den Räumen der Majolika-Manufakur wird am Sonntag, den 9. Juli um 11:30 Uhr der Öffentlichkeit als Ausstellung zugänglich gemacht und ist während der Sommerausstellung der Akademie zu besichtigen.

Die Installation ist eine Kooperation der Kunstakademie, der Pädagogischen Hochschule und der Majolika Manufaktur. Das Projekt ist auch Teil der Sommerausstellung der Kunstakademie vom 13. bis 16. Juli 2023.


Wir bauen um

Das Leben ist kein Ponyhof – das wissen auch die Kinder und Lehrer*innen der Schlossschule Durlach: Die Schulgebäude werden bei Vollbetrieb über fünf Jahre hinweg komplett renoviert. Das bedeutet Lärm, Staub, Unruhe, sich immer wieder auf neue Situationen einstellen – als wäre das Leben nicht schon kompliziert genug in pandemischen Zeiten. Der Umbau wurde deshalb als Chance begriffen: Die Kinder sollen aktiv Teil haben an dieser Veränderung und selbst Hand anlegen. In einem ersten Schritt haben sie, geleitet durch Kunststudent*innen, den Bauzaun gestaltet, hinter dem das alte Schulgebäude abgerissen wird. Der bunte Zaun, ein neuer Farbfleck im Stadtkern Durlachs, ist auf den zweiten Blick ein Angebot zum Durchschauen: Unsere Welt – vertreten, verstellt, verdeckt durch diesen Zaun, hat Löcher, dahinter entsteht Neues. Und so lassen sich nun durch das Auge eines gemalten weißen Pferdes hindurch Baukräne und Abrissbirnen beobachten. Es gibt Pfauenaugen, Eulenaugen, Schlüssel- und Astlöcher sowie konzentrische Kreise, Berg- und Wegelandschaften. Belebt durch Einhörner, Monster, Salamander und Langhaarmeerscheinchen greifen sie das Spiel mit in den Zaun gesägten Gucklöchern auf, sie lassen überkommene Bildvorstellungen umkippen und holen das wahre Leben jederzeit nah heran: Wir brauchen nur den Fokus zu wechseln. Die (Durch-)Sicht der Kinder ernst zu nehmen, sie nicht in Bildklischees, Spaßkultur und wildem Drauflosmalen allein zu lassen und im kollektiven Malprozess wechselseitig etwas voneinander zu lernen war deshalb Leitgedanke in allen Phasen der Realisierung. Das temporäre Kunstwerk wurde durch die Unterstützung des Rotary Clubs ermöglicht und ist das Ergebnis einer Kooperation der Schlossschule mit einem Seminarprojekt der Kunstakademie Karlsruhe von Prof. Dr. Christina Griebel.


N*EUROTRANSMITTER - Zukunftswerkstatt Europa

In dem Projekt geht es um die künstlerische Auseinandersetzung mit der Zukunft Europas. Der kreative Blick nach vorne wird mit dem Blick zurück auf die eigene Herkunft verknüpft. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich mit den Fragen „Wer bin ich? Wer sind wir – in Europa? Was bedeutet das für unsere gemeinsame Zukunft?“ und gestalten eigene Zukunftsvisionen. Das Projekt verbindet die Kunstausstellung N*EUROTRANSMITTER im Regierungspräsidium Karlsruhe mit dem Unterricht im Fach Bildende Kunst. Die Ausstellung zeigt vom 13. bis 24. Januar 2020 die künstlerischen Arbeiten von Lehramtsstudierenden der Kunstakademie Karlsruhe, die im Wintersemester 2019/20 entstehen. Schulklassen können unter Anleitung der Nachwuchslehrkräfte an Workshops teilnehmen, die sich auch in eine Unterrichtseinheit zum Thema integrieren lassen. Die besten Schülerarbeiten werden in der Ausstellung gezeigt.

Presseberichte
BNN-Bericht 14.11.2020 (pdf)
Die Rheinplafz 18.11.2020 (pdf)


OUTSIDE

Eine Kooperation zwischen Sozpädal e.V./TafF und der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe

Die Unterscheidung zwischen ingroup und outgroup findet bei jeder menschlichen Begegnung statt und ist untrennbar mit der eigenen Verortung verknüpft. Was bedeutet es, draußen zu sein? Außerhalb von Wohnraum, sozialer Struktur und menschlicher Beziehung? Die Klientinnen der Tageseinrichtung TafF wissen dies aus Erfahrung. Studierende der Kunstakademie Karlsruhe hingegen wissen viel darüber, wie man eine Erfahrung sichtbar machen kann, und sie wissen einiges über das System Kunst, das seinerseits über Exklusionsmechanismen funktioniert. In diesem Projekt begegnen sich wohnungslose Frauen und Kunststudierende, um gemeinsam künstlerisch zu arbeiten. Die Studierenden haben sich in einem vorbereitenden Seminar mit gesellschaftlichen Ausschlussmechanismen und den Möglichkeiten des Brückenbaus in der Kunst befasst. Seit Oktober 2017 werden in regelmäßigen wöchentlichen Treffen unterschiedliche künstlerische Medien und Formate des Miteinanders erprobt, in denen jede Teilnehmer*in ihren Ort, ihre Rolle findet: agierend, reagierend, dokumentierend, kommentierend, kuratierend. Niemand muss etwas Bestimmtes tun, kein Ergebnis ist vorgegeben; es geht vielmehr darum, sichtbar zu machen, was nicht antizipierbar ist. Gemeinsam werden im Lauf der Arbeit Titel und Konzepte für Ausstellungen entwickelt, die seit März 2018 zweimal jährlich realisiert werden.

Dokumentation des Projekts "outside" (pdf)

Presseberichte
BNN-Bericht 1 zum Projekt "outside" (pdf) 
BNN-Bericht 2 zum Projekt "outside" (pdf)

Das Projekt wird mit dem Landeslehrpreis 2019 für Prof. Dr. Christina Griebel ausgezeichnet

Presseberichte
Pressemitteilung der Kunstakademie Karlsruhe (pdf)
BNN-Bericht zum Landeslehrpreis (pdf)