Menü Startseite Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
Datum
16.04.2021

Ehemaliger Akademie-Professor Dr. Klaus Theweleit erhält den Adorno-Preis

Klaus Theweleit, ehemaliger Professor für Kunst und Theorie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, erhält den Theodor-W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt. Diese hoch angesehene Auszeichnung gilt der Anerkennung hervorragender Leistungen in den Bereichen Philosophie, Musik, Theater und Film. Sie ist mit 50.000 Euro dotiert und wird alle drei Jahre von der Stadt Frankfurt vergeben, in Erinnerung an den Philosophen und Soziologen Adorno (1903-1969), der in der Stadt geboren wurde und zu den Hauptvertretern der als Kritische Theorie bezeichneten Denkrichtung der sogenannten „Frankfurter Schule“ gehörte.

Die Kunstakademie Karlsruhe freut sich mit Klaus Theweleit, der von 1998 bis 2008 an der Akademie lehrte. „Er war die ideale Brücke zwischen den Feldern der Kunst und der Theorie in unserem Haus, fasziniert und vorurteilsfrei dem Gegenstand seiner Betrachtung zugewandt, eine Theorie ohne jede Hoheitsansprüche“, äußert sich der Rektor, Harald Klingelhöller, zu der Ehrung für seinen ehemaligen Professorenkollegen. „Ich erinnere mich an einen aufregenden Vortrag über Jimi Hendrix, der mich vom Fan zu einem wirklichen Beobachter dieses großartigen Künstlers gemacht hat. Klaus Theweleits Arbeit wird für uns Maßstab bleiben.“

Die Stadt Frankfurt, die durch ein Kuratorium den Preisträger bestimmen lässt, begründete ihre Entscheidung für Klaus Theweleit in ihrer Presseerklärung mit dessen Position als einer der einflussreichsten und zugleich originellsten Kultur- und Literaturtheoretiker. Sein zweiteiliges Werk „Männerphantasien“, das 1977 erschien und die Körperpolitik des Faschismus erstmals beschrieb, gilt seitdem als Standardwerk kritischer Gesellschaftstheorie. Es folgten weitere viel beachtete Werke wie das dreibändige „Buch der Könige“ (1988 bis 1994) und „Buch der Königstöchter“ (2013). Neben der Literatur gehören Psychoanalyse, Film und Popkultur zu Theweleits produktivem Bezugssystem. Sein unorthodoxer assoziativer Stil erscheint heute aktueller und lebendiger denn je, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Bezüge zu Adorno werden in der Mitteilung zur Preisvergabe ebenfalls hergestellt. Wie dieser überschreite Theweleit, so spielerisch wie ernst, die Grenzen der Wissenschaft. „Sein wucherndes Narrativ, das von den dunkelsten Seiten der Menschheit handelt, zielt letztlich auf einen Akt der Befreiung, die das Bekenntnis zu Kunst und Sinnlichkeit einschließt.“

Vorherige Preisträger waren unter anderen Judith Butler (2012), Georges Didi-Huberman (2015) und Margarete von Trotta (2018). Der erste Preisträger war im Jahr 1977 der Soziologe Norbert Elias.

Die Preisvergabe an Klaus Theweleit findet am 11. September in der Frankfurter Paulskirche statt