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Datum
Ort
Vortragssaal Reinhold-Frank-Str.81 / Vordergebäude

Wissenspraxen zwischen Kunst und Bildung: Tagung

HOW TO ARTS EDUCATION RESEARCH?

Ein wissenschaftliches Postulat von Forschung erweiterte sich in den letzten Jahrzehnten der Wissenschaftsgeschichte um Formen künstlerischer Forschung, deren Legitimation sich im Dialog zwischen Wissenschaften und Künsten artikuliert und in singulären Praxen hervorbringt. Grundlegungen eines Forschens durch Kunst (BIPPUS 2012), Epistemologien künstlerischer Forschung (BADURA u. a. 2015) und des Ästhetischen (MERSCH 2015) haben Theorien und Methodologien entworfen, die für unterschiedlichste Diskurse und Disziplinen, Formen anderen Wissens (BUSCH 2016) in den Blick rücken. Wie werden die Künste bislang zur Wissensbildung in der Kunstpädagogik genutzt? Und wie werden künstlerische Forschungsmethoden diskursiv verwendet? Blickwechsel verdeutlichen, wie etwa zwischen Kunst und Ethnografie (HOLFELDER u. a. 2018) oder zwischen Kunst und Naturwissenschaften (DASTON/GALISON 2017), dass auch für Kunstpädagogik und -vermittlung Fragen der Anwendung und der Perspektiven künstlerischer Forschung sowie einer Wissensgenese durch die Künste einer dezidierten Auslotung bedürfen. Dazu wollen wir anhand von vier ausgewählten Koordinaten einen konstruktiven und pluralen Dialog anregen.

1 | Methodologien und Wissenspraktiken
Die Methodenwahl kunstpädagogischer Forschungen ist immer wieder mit der Herausforderung konfrontiert, dass sich etwa bestehende empirische Methoden aus den Sozialwissenschaften nicht problemlos auf kunstpädagogische Forschungsfragen übertragen lassen, da sie den Forschungsgegenständen nicht gerecht zu werden scheinen. Ästhetische Erfahrungs- und Bildungsprozesse erfordern im Bewusstsein der Möglichkeiten künstlerischer Forschung die Weiterentwicklung kunstbezogener Forschungsverfahren. Wenn Kunstpädagogik als Anwendung von Kunst (PAZZINI 2000) verstanden wird, wie kann künstlerische Forschung als methodologische Annäherung agieren? Inspirieren künstlerische Forschungszugänge die Kunstpädagogik dazu, die Grenzen ihrer Empirie zu befragen, um spezifische, von Kunst aus sich bildende Zugänge einer arts education research zu entwerfen? Inwiefern kann künstlerische Forschung dazu beitragen, Lern- und Erkenntnisprozesse im Künstlerischen, Schulischen und Außerschulischen neu zu denken?
Der “educational turn in curating” (MÖRSCH 2012) wirft zudem Fragen nach den wissensgenerierenden Potentialen künstlerischer Kontexte auf, wie sie in jüngster zeitgenössischer Kunstproduktion beobachtbar sind und zu Bezugsreflexionen mit kunstpädagogischen Schnittstellen herausfordern.

2 | visuelle/ ästhetische Argumentation
Formen visueller (Re-)Präsentation von Forschungsergebnissen wie etwa visuelle Modelle (REICHLE/SIEGEL/SPELTEN 2008) oder auch die Arbeit mit und an künstlerischen Beispielen, bilden spezifische Ansätze visueller und ästhetischer Argumentationen: Wie kann ein durch künstlerische Forschung generiertes Wissen sicht- und fruchtbar gemacht werden für andere Disziplinen (DUBACH 2015)? Ethnographische Methoden, wie beispielsweise die dichte Beschreibung (GEERTZ 1987/1990) und das dichte Zeigen (MOHN 2008) nutzen ästhetische Dimensionen im Sinne einer Anschaulichkeit, welche die Überzeugungskraft des Dargelegten unterstützen kann. Zugleich stellt sich die Frage, inwiefern Interpretationsprozesse offengelegt oder verschleiert werden.

3 | hybride Selbst- und Fremdverständnisse
Kunstpädagog*innen und -vermittler*innen, die durch ihre Arbeit Schnittstellen zwischen Künsten, Bildung und Forschung erfahren, initiieren und befragen, weisen häufig einen hybriden Akteur*innenstatus auf. Sie bewegen sich zwischen Forschung, Lehre und ästhetisch-künstlerischer Praxis in Spannungsfeldern unterschiedlicher (inter-/trans-)disziplinärer Bezüge, die heterogene Ansprüche stellen. Dabei spielt auch die Sozialität von Forschung eine wesentliche Rolle, beispielsweise wenn danach gefragt wird, wer in welcher Weise an spezifischen Diskursen beteiligt ist, teilhaben kann oder wie sich kollektive und kollaborative Zusammenarbeit zwischen Diskursen gestaltet.

4 | Emanzipation und Legitimation
Bei näherer Betrachtung beginnen trennscharfe oder gar polarisierende Unterscheidungsversuche zwischen ästhetisch-künstlerischer und wissenschaftlicher Forschung brüchig zu werden. Wird jedoch davon ausgegangen, dass ästhetisch-künstlerisch akzentuierte Forschungsmethoden zu anderen Formen der Erkenntnis führen als wissenschaftliche, so stellt sich die Frage danach, wie sich Methoden künstlerischer Forschung in einem bestehenden Diskurs wie der Kunstpädagogik legitimieren und wie über ihre Gegenstandsangemessenheit verhandelt wird. Im Anschluss daran lässt sich fragen, was dies beispielsweise für die Nachvollziehbarkeit von Forschungsergebnissen, im Zusammenhang mit Standardisierung von Wissenschaft und der Finanzierung von Forschung bedeutet.

Tagungsort und -zeit:
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, 5. und 6. November 2020.

Organisation:
Nadia Bader (Didaktik in Kunst und Design / Kunstdidaktik, Pädagogische Hochschule Fachhochschule Nordwestschweiz)
Stefanie Johns (grund_schule der künste – Fakultät Bildende Kunst, Universität der Künste Berlin / Forschungs- und Le[ ]rstelle – Kunstpädagogik und visuelle Bildung, Fakultät für Erziehungswissenschaft, Universität Hamburg)
Lennart Krauß (Fachdidaktik Kunst und Bildungswissenschaften, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe)

Weitere Informationen und Anmeldung unter:

https://howtoaer.com/